In den wärmeren Monaten zieht es viele nach draußen. Im Wald oder auf der Wiese lassen sich bei schönem Wetter herrliche Stunden beim Herumtollen oder Spazierengehen verbringen. Was nun aber, wenn Wohngebiet oder Urlaubsregion ein Risikogebiet für FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist? Wann kommt eine FSME-Impfung infrage?

Was ist eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)?

Eine FSME-Impfung schützt vor einer durch Zecken übertragenen Infektion

Mit einer FSME-Impfung sind Sie auf der sicheren Seite. Lassen Sie sich auf jeden Fall medizinisch beraten. (©istockphoto.com_Jasmina007)

Eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Virus-Infektion, die fast ausschließlich von infizierten Zecken übertragen wird. Die FSME ist nicht zu verwechseln mit der Lyme-Borreliose, einer bakteriell durch Zecken übertragenen Infektionskrankheit. Der FSME-Erreger wird mit dem Zeckenstich übertragen und kann – muss aber nicht –  Symptome auslösen. Jeder dritte Infizierte entwickelt grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen. Nach einer Besserung der Symptome tritt nach einigen Tagen ein zweiter Krankheitsgipfel mit hohem Fieber auf. In diesem Stadium ist eine Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns – eine Meningoenzephalitis – möglich. Außerdem kann sich das Rückenmark entzünden. Bei schweren Verläufen kann es zu starken Kopf- und Nackenschmerzen, Übelkeit, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen und Lähmungen kommen.

In den meisten Fällen bleiben nach einer FSME-Erkrankung keine Folgeschäden zurück. Ist das zentrale Nervensystem betroffen, können allerdings bleibende Schäden entstehen. In einem Prozent der Fälle führt eine FSME-Erkrankung sogar zum Tod. Besonders ältere Menschen über 50 Jahren, und hier besonders Männer, sind von schweren Verläufen betroffen. FSME-Fälle sind meldepflichtig. Ein vollständiger FSME-Impfschutz verhindert in der Regel einen Ausbruch der Krankheit.

Wer sollte sich gegen FSME impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (RKI), der zentralen Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und Krankheitsprävention, empfiehlt eine FSME-Impfung für Erwachsene und Kinder, die sich in den kritischen Monaten von März bis Oktober in FSME-Risikogebieten in Deutschland aufhalten. Dazu gehören Personen, die in diesen Regionen wohnen, berufsbedingt besonders gefährdet sind – zum Beispiel Forstarbeiter – und Personen, die in diesen Gebieten Urlaub machen.

Auf der Internetpräsenz des RKI können die Risikogebiete für eine zeckenübertragende Infektion auf ständig aktualisierten Karten eingesehen werden. Wenn Sie Urlaub im Ausland machen, sollten Sie in einer reisemedizinischen Beratung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abklären, in wieweit eine FSME-Impfung indiziert ist. Einen ersten Überblick über das FSME-Infektionsrisiko im Ausland geben das Auswärtige Amt und die Gesundheitsämter.

Breiten sich Zecken aus?

Über Jahrzehnte waren die Verbreitungsgebiete der Zecke bzw. die Risikogebiete für gefährliche Zeckenstiche im Süden und Südwestens Deutschlands zu finden, 85 Prozent der Erkrankungen werden aus diesen Regionen gemeldet. Größere Naturherde gibt es in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen und im südöstlichen Thüringen.

Im März 2018 wurde quer durch die Medien vermeldet, dass es nun verstärkt auch im Norden des Landes zu Zeckenbefall käme. Außerdem sollten sich Zecken in Großstädten vermehrt ausbreiten.

Die Zahlen des Robert-Koch-Instituts sagen etwas anderes: In Berlin gab es in 2017 vier registrierte FSME-Fälle, in Hamburg einen und in Bremen keinen. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg waren es 190 und in Bayern 241. Und auch die nördlichen Flächenstaaten sind kaum erwähnenswert betroffen, so meldete Mecklenburg-Vorpommern eine FSME-Erkrankung, Schleswig-Holstein zwei und Niedersachsen sechs.

Zwar sind FSME-Fälle in der Relation in den letzten Jahren stark angestiegen, allerdings gibt es laut Robert-Koch-Institut in Berlin keinen Anlass zur Sorge: Die Zahlen bewegten sich demnach im normalen Schwankungsbereich; und auch wenn es vereinzelt in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zu neuen Naturherden gekommen sei, stelle sich die Frage, ob diese sich überhaupt etablieren und ausbreiten könnten.

Insgesamt, so merkt das Robert-Koch-Institut an, gebe es in Deutschland laut Zählungen weniger Zecken. Der Anstieg der Erkrankungen ist wohl eher damit zu begründen, dass in Deutschland nur rund jeder fünfte Bürger gegen FSME geimpft ist.

Wie wirkt eine FSME-Impfung?

Eine FSME-Impfung ist eine aktive Impfung, bei der der Körper durch die Gabe des Impfstoffs angeregt wird, Anti-Körper gegen den FSME-Erreger zu bilden. Für einen vollständigen Impfschutz bzw. eine Grundimmunisierung sind drei Impftermine notwendig. Nach der ersten Impfung folgt nach ein bis drei Monaten eine zweite Impfung, nach weiteren neun bis zwölf Monaten eine dritte Impfung. Menschen über 50 sollten die Grundimmunisierung nach drei Jahren auffrischen.

Sollten Sie einen kurzfristigerem FSME-Impfschutz benötigen, können Sie eine Schnellimmunisierung vornehmen lassen. Bei dieser Form des ebenfalls dreiteiligen Impfschutzes können schon nach 14 Tagen Anti-Körper gegen FSME im Blut nachgewiesen werden.

Grundimmunisierung und Schnellimmunisierung erhalten Sie von Ihrer behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt vorgenommen. Die Kosten werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen. Bitte besprechen Sie vorab ausführlich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Indikation und Nebenwirkungen einer FSME-Impfung.

Die FSME-Impfung ist ein mehrphasiger Impfschutz.

Die FSME-Impfung ist ein mehrphasiger Impfschutz zur Grundimmunisierung. (©istockphoto.com_beijingstory)

 

Welche Nebenwirkungen kann eine FSM- Impfung haben?

Am häufigsten tauchen an der Einstichstelle Schmerzen und Rötungen auf. Häufig treten in den ersten 1-4 Tagen Symptome wie Temperaturerhöhung, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein oder Magen-Darm-Beschwerden auf. Außerdem kommt es häufig zu Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen. Diese Symptome werden in der Regel nach der ersten Impfung beobachtet und klingen folgenlos ab.

Werden Kinder unter drei Jahren geimpft, treten in ca. 15 Prozent der Fälle Fieberreaktionen nach der Impfung auf. Hier sollten Väter und Mütter gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt entscheiden, ob eine FSME-Impfung des Kindes notwendig ist.

Eine sorgfältige Indikation der FSME-Impfung und Abwägung von Pro und Contra ist aufgrund einiger ernstzunehmender Hinweise darauf, dass Impfungen an der Entstehung von Autoimmunerkrankungen beteiligt sein können, grundsätzlich für alle Personen – groß wie klein – geboten.

Was sind die Vorteile einer FSME-Impfung?

Bei einer eindeutigen Indikation garantiert eine regelkonforme FSME-Impfung einen vollständigen Impfschutz gegen eine Frühsommer-Meningoenzephalitis. Jedes Jahr erkranken mehrere Hunderte Menschen mit unterschiedlich schweren Krankheitsverläufen. Die Dunkelziffer an FSME-Erkrankungen ist als relativ hoch einzuschätzen, da leichte Krankheitsverläufe oftmals mit einer Sommer-Grippe verwechselt werden.

Eine FSME-Impfung schützt nicht vor anderen zeckenübertragenden Infektionen, zum Beispiel einer Lyme-Borreliose.

Schutz vor Zecken

  1. Bedecken Sie bei Aufenthalten in der Natur Ihre Haut vollständig.
  2. Stecken Sie die Hosenbeine möglichst in die Schuhe bzw. Stiefel.
  3. Laufen Sie im Wald oder auf Wiesen nicht barfuß oder mit offenen Schuhen.
  4. Suchen Sie Haut und Kleidung nach einem Aufenthalt in der Natur nach Zecken ab.
  5. Suchen Sie Haustiere nach einem Aufenthalt in der Natur nach Zecken ab. Sie können leicht vom Tier auf Menschen übergehen.
  6. Entfernen Sie Zecken möglichst zeitnah mit einer feinen Splitterpinzette. Greifen Sie das Tier knapp über der Haut und ziehen sie es langsam heraus. Desinfizieren Sie die Einstichstelle. Beobachten Sie die Wundstelle einige Tage und gehen Sie bei Entzündungen zum Arzt.
  7. Beobachten Sie die Einstichstelle noch einige Monate. Breitet sich um die Stelle eine Rötung aus, sollten Sie unbedingt den Arzt aufsuchen. Es kann sich um eine Borreliose handeln.