Wenn ein ungewöhnlicher Knubbel am Handgelenk entsteht, bemerken Betroffene dies meistens sofort. Denn die Hände sind nicht nur die wichtigsten Werkzeuge des Menschen, er hat sie auch tagtäglich vor Augen. Oft handelt es sich bei einem solchen Knubbel um ein Handgelenk-Ganglion, im Volksmund auch Überbein genannt. Ganglien sind prinzipiell gutartige Tumore in unmittelbarer Nähe zu einer Gelenkkapsel oder Sehnenscheide. Wenn ein Ganglion jedoch Schmerzen verursacht, sollten Betroffene handeln.

Entstehung eines Ganglions

Ganglion am Handgelenk

Ein deutlich sichbares Ganglion am Handgelenk
(c) iStock.com / LeventKonuk

Das menschliche Handgelenk ist von einer festen Bindegewebsschicht – der Gelenkkapsel – umschlossen, die die ordnungsgemäße Stellung der Handknochen sicherstellt. Zwischen den Knochen wiederum sorgt eine mit einer gallertartigen Flüssigkeit gefüllte weiche Bindegewebsschicht dafür, dass die Gelenkknochen nicht aufeinander reiben. Treffen nun ein Überdruck in der weichen Bindegewebeschicht (etwa aufgrund von zu viel Flüssigkeit) und eine Schwachstelle in der Gelenkkapsel aufeinander, entsteht eine Kapsel-Ausbuchtung, die äußerlich als Knubbel sichtbar ist: das Ganglion.

Mögliche Ursachen von Ganglien

Weshalb Ganglien entstehen, ist wissenschaftlich noch nicht vollends geklärt. Ihr Auftreten korreliert jedoch in manchen Fällen mit der medizinischen Vorgeschichte des Patienten, zum Beispiel bei einer Verstauchung des Handgelenks oder einer Arthrose. Diese Leiden haben zur Folge, dass der Gelenk-Apparat strukturell geschwächt ist. Auch eine erbliche oder erworbene Bindegewebsschwäche wird als etwaiger Auslöser betrachtet, da sie die Stabilität der Gelenkkapsel beeinträchtigt. Manche Mediziner diskutieren auch eine Überbeanspruchung des Handgelenks als mögliche Ursache für ein Ganglion, wie sie etwa bei strapaziöser Büroarbeit (mit der Computer-Maus) oder belastungsintensiven Sportarten (wie Tennis) vorkommen kann.

Beschwerden durch ein Handgelenkganglion

Bei einem Ganglion handelt es sich um ein gutartiges Geschwulst – es muss es nicht zwangsläufig Schmerzen verursachen. Folgende Beschwerden können jedoch mit dem Ganglion einhergehen:

  • Bewegungseinschränkung: Ganglien können bis zu 8 Zentimeter groß werden. Weil ein Ganglion so den Bewegungsraum des Gelenks reduziert, können Beugung und Drehung der betroffenen Hand eingeschränkt sein.
  • Druckschmerz: Da das „Überbein“ eine Deformation der Gelenkkapsel ist, die auf umliegende Nerven (Schmerzrezeptoren) drückt, können bei Belastungen des Handgelenks dumpfe Schmerzen auftreten, zum Beispiel bei Liegestützen oder dem Öffnen schwerer Türen.
  • Kribbeln und Taubheitsgefühl: Durch den Druck des Ganglions auf Nerven, Muskeln und Gefäße können elektrische und chemische Signale womöglich nicht mehr störungsfrei fließen. Das Resultat: Betroffene spüren ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Handgelenk.

Als Folge eines Ganglion können auch Sehnenscheidenentzündungen auftreten. Diese entstehen dann, wenn das Ganglion über längeren Zeitraum eine Sehnenscheide durch Belastungsdruck überreizt.

Behandlung des Ganglion

Ganglion am Handgelenk verursacht Druckschmerz

Ein Ganglion am Handgelenk kann Druckschmerz erzeugen (c) iStock.com / Slphotography

Der erste Schritt zur Behandlung eines Ganglion ist dessen eindeutige Diagnose seitens eines Arztes. Sie ist notwendig, um andere Geschwulst-Ursachen auszuschließen. Ist der Patient schmerzfrei, ist eine Behandlung nicht zwingend notwendig; er kann sich jedoch auch aus ästhetischen Gründen für die Entfernung des Knubbels entscheiden. Je nach individueller Ausprägung des Ganglions rät der Arzt zu einer bestimmten oder aber stufenweisen Behandlung. Eine mögliche Therapie mag in folgenden Schritten erfolgen:

  1. Behandlung ohne Eingriff: Das Ganglion kann sich durch Schonung (Ruhigstellung) des Handgelenks von selbst zurückbilden. Umschläge mit Beinwell-Salbe oder das Auftragen von Heilerde helfen, den überstrapazierten Gelenkapparat zu regenerieren. Salben und Heilerde lindern jedoch nur die Symptome des Ganglions, beheben aber nicht dessen Ursache: Auch wenn es sich zunächst zurückbildet, kann es bei wiederholter Handgelenksbeanspruchung erneut entstehen.
  2. Minimalinvasiver Eingriff: Eine simple invasive Behandlung besteht darin, das Ganglion mit einer Hohlnadel anzustechen und die enthaltene Flüssigkeit abzulassen. Der Arzt spritzt anschließend ein Medikament mit Cortison in den entstandenen Hohlraum, das die Neubildung des Ganglions verhindern soll. Das Risiko eines Rückfalls ist bei dieser Methode allerdings recht hoch.
  3. Operation: Beim offenen Operationsverfahren wird das Ganglion durch einen Schnitt in der Haut vollständig entfernt. (Der Eingriff kann auch endoskopisch erfolgen.) Diese handchirurgische Operation verspricht die größte Erfolgsaussicht auf eine nachhaltige Behandlung. Dennoch können Ganglien in 20 bis 30 Prozent der Fälle erneut auftreten.

Nach der Operation kann der Patient das Handgelenk in der Regel sofort wieder bewegen. Nur bei sehr großen Ganglien besteht die Möglichkeit, dass der Arzt für ein bis zwei Wochen eine Gipsschiene verordnet. Bis die Wundheilung abgeschlossen ist, sollte der Patient das Handgelenk jedoch auf jeden Fall vorsorglich schonen.