„Die Mittagssonne ist besonders stark, und wer ihr regelmäßig und zu lange ausgesetzt ist, läuft Gefahr Hautkrebs zu entwickeln“ – so lautete bisher die gängige These bezüglich der Bestrahlung durch die Sonne. Mittlerweile allerdings werden Stimmen laut, die einen etwas differenzierteren Blick auf die ultravioletten Strahlen fordern. Was es damit auf sich hat und wie Sie möglichst schonend Ihr Sonnenbad genießen können, lesen Sie hier.

 

Hautkrebs und Vitamin D: Schädliche und gesunde UV-Strahlen

Bevor es um den Unterschied zwischen Mittagssonne und der Sonne zu anderen Tageszeitpunkten gehen soll, sind einige grundsätzliche Erläuterungen zur Strahlung notwendig. Grundsätzlich unterscheiden wir drei unterschiedliche elektromagnetische Arten von Strahlungen der Sonne:

  • UV-A-Strahlen
  • UV-B-Strahlen
  • UV-C-Strahlen

wobei „UV“ jeweils für „ultraviolett“ steht.

UV-A-Strahlen (Wellenlänge: 320-400 nm) haben eine relativ lange Wellenlänge und dringen in tiefere Hautschichten ein. Sie sind für die Produktion des Farbstoffs Melanin verantwortlich, welcher unsere Haut bei längerer Bestrahlung braun werden lässt. Jedoch können UV-A-Strahlen die Hautzellen beziehungsweise die Kollagenfasern der Haut auch langfristig schädigen und beispielsweise für Falten sorgen. Im schlimmsten Fall können sie zur Entstehung des sogenannten Schwarzen Hautkrebs beitragen (Fachbegriff: „Malignes Melanom“).
UV-B-Strahlen (Wellenlänge: 281-289 nm) sind für Hautrötungen und Sonnenbrand verantwortlich und können bei schwereren Verbrennungen zu bösartigen Hauttumoren führen. Aber: UV-B-Strahlen sind für die Synthese von Vitamin D verantwortlich, das unser Körper nicht (wie die meisten anderen Nährstoffe) ausschließlich über die Nahrung bezieht, sondern auch mithilfe des Sonnenlichts selber bildet. Vitamin D ist essenziell wichtig für robuste Knochen und Muskeln, ein Mangel sollte deshalb unbedingt vermieden werden – und ist leider gerade in den Wintermonaten mit wenig Sonne gar nicht so selten.
UV-C-Strahlen (Wellenlänge: 200-280 nm) werden von der Ozonschicht – sofern sie intakt ist! – komplett absorbiert, sodass die Strahlen die Erde nicht erreichen.
UV-B-Strahlung während der Mittagssonne: Das einzig sinnvolle Sonnenlicht?

UV-B-Strahlung während der Mittagssonne: Das einzig sinnvolle Sonnenlicht? ©iStock.com/Silent_GOS

 

Mittagssonne: Problematisch oder gesund für die Haut?

Die Mittagssonne zwischen 10:00 und 15:00 Uhr ist für viele Menschen ein beliebter Grund die Essenspause an die frische Luft zu verlegen – schließlich ist sie häufig die einzige Gelegenheit ein wenig Sonne zu tanken. Es handelt sich allerdings durchaus um ein zweischneidiges Schwert: Ihre Einstrahlung gilt als besonders intensiv und entsprechend potenziell gefährlich, weil sie aufgrund ihrer Intensität einen Sonnenbrand und entsprechend irreparable Hautschäden begünstigt. Der Grund dafür: In der Mitte des Tages ist die Atmosphärenschicht so dünn, dass besonders viel Sonnenlicht eindringen kann.

Die Mittagssonne enthält allerdings laut dem Naturheilpraktiker Jerzy Zięba, Verfasser des Buches „Verborgene Therapie“, auch besonders viel UV-B-Strahlen, während deren Anteil zu anderen Zeitpunkten relativ gering ist. Deshalb geht Zięba davon aus, dass letztendlich ausschließlich die Mittagssonne für gesunde Sonnenbäder geeignet ist – denn nur sie versorgt uns mit der Möglichkeit, in unserem Körper Vitamin D zu bilden. Morgens und nachmittags hingegen, wenn die Sonnenstrahlen eine dickere Atmosphärenschicht durchdringen, gelangt viel UV-A-Strahlung und wenig UV-B zur Erde: mit dem Effekt, dass der Mensch morgens und nachmittags kein Vitamin D bildet, das positiv auf den Körper wirkt.

Ziębas Hinweis zur optimalen Nutzung des Sonnenlichts ist, sich zur Mittagszeit stets nur für einen solchen Zeitraum der Strahlung auszusetzen, dass sich die Haut anschließend über einen Zeitraum von 24 Stunden nicht bräunt und natürlich auch nicht rötet. Freilich eine sehr vage Zeitangabe, die sich aber – so individuell wie jeder Mensch ist – von Person zu Person und von Grund-Hautfarbe zu Grund-Hautfarbe unterscheidet. Bei hellhäutigen Menschen können je 10-15 Minuten auf beiden Körperseiten genügen.

Der Vollständigkeit halber ist natürlich zu erwähnen, dass Umweltfaktoren wie Jahreszeit, Breitengrad, Höhe über dem Meeresspiegel, Schädigungsgrad der Ozonschicht oder Bewölkung für die Intensität der Sonneneinstrahlung eine erhebliche Rolle spielen und deshalb in die Bemessung der Aufenthaltsdauer unter der Mittagssonne einfließen sollten. Als Faustregel gilt: Je sommerlicher, je äquatorialer, je wolkenloser, je höher der Standort, und je geschädigter die Ozonschicht, desto stärker reduziert sich die empfohlene Aufenthaltsdauer in der Sonne.

 

Schutz vor der Mittagssonne: Tipps für eine schonende Bestrahlung

So oder so – die Mittagssonne sollten Sie auf keinen Fall beliebig lange schutzlos genießen. Mancher Hauttyp entwickelt schnell Rötungen, ein Spannungsgefühl und andere erste Symptome für einen Sonnenbrand, andere Menschen dagegen können scheinbar ewig unbeschadet brutzeln.
Das Melanin, welche helle Haut bei vermehrter Sonneneinstrahlung bräunt, sorgt dafür, dass die Bildung von Vitamin D in der Haut abnimmt. (Gemäß Zięba schreit die Haut eines weißen Menschen bei Bräunung geradezu: „Ich will keine Sonne mehr!“) Deshalb benötigen hellhäutigere Menschen weniger Sonne, während dunkelhäutigere Menschen besser vor ihr geschützt sind, aber auch zur Vitamin-D-Bildung mehr Zeit unter ihr verbringen müssen. Nachdem sich ein hellhäutiger Mensch die empfohlenen Minuten der Mittagssonne ausgesetzt hat, ist das Eincremen mit einem Sonnenschutzmittel anzuraten, dessen Lichtschutzfaktor sich an den Umweltfaktoren orientiert.

Gerade in der Mittagssonne wichtig: Eincremen!

Gerade in der Mittagssonne wichtig: Eincremen!
©iStock.com/Steve Debenport


Nach wie vor gilt der Leitsatz: Die Haut vergisst nicht – nicht jeder Schaden ist sofort ersichtlich, aber jede Hautschädigung ist eine zu viel. Deshalb gelten für die Mittagssonne nach wie vor die guten alten Tipps zur Vermeidung von Hautschädigungen:

 

  • Eine gute Sonnencreme schützt sowohl vor UV-A, als auch vor UV-B-Strahlen. Bitte immer den passenden Lichtschutzfaktor verwenden und bei längerem Aufenthalt in der Sonne das Nachcremen nicht vergessen.
  • Auch im Schatten beziehungsweise Halbschatten werden wir mit UV-Strahlen versorgt – eine gute Alternative für Menschen mit empfindlicher Haut oder sogar Sonnenallergie.
  • Eine Kopfbedeckung kann gegen Sonnenstich, eine hochwertige Sonnenbrille vor Augenproblemen schützen.
  • Viele Betroffene schwören auf Sonnenbäder als einfaches Neurodermitis-Hausmittel. Vor einer Eigentherapie sollten Sie allerdings diese Option mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

 

Können Sonnenstudios die Mittagssonne ersetzen?

Die Frage, ob Sonnenstudios ein adäquater Ersatz für die Mittagssonne sind, lässt sich anhand der oben genannten Informationen wie folgt beantworten: Sonnenstudios sind dann gesund, wenn sie für die Bestrahlung mit UV-B-Licht sorgen. Sie sind dann ungesund, wenn sie genutzt werden, um den Bräunungseffekt herbeizuführen. Aufgrund der sehr kurzen Distanz zur Bestrahlungsquelle und der Strahlungsintensität genügen im Studio 3-4 Minuten Zeit auf der Sonnenbank. Jerzy Zięba empfiehlt ergänzend 100 mg Astaxanthin, 3 bis 6 mg Vitamin A, oder 300 Mikrogramm Selen einzunehmen: starke Antioxidantien, die die Haut vor Verbrennungen schützen. Vor dem Besuch des Sonnenstudios sollten Sie zudem von der Belegschaft die Information einholen, welche UV-Strahlung ihre Lampen emittieren – es sollten UV-B-Lampen sein. Solche Lampen existieren übrigens auch für den Heimgebrauch: wenige Minuten Bestrahlungszeit des ganzen Körpers (z.B. nach dem Duschen) reichen für eine ausreichende Versorgung des Körpers mit UV-B, um die natürliche Vitamin-D-Produktion optimal anzuregen.