Die Mandelentzündung, lat. Tonsillitis, ist hierzulande weitverbreitet und hat seit Jahren einen festen Platz in den Top 20 der am häufigsten diagnostizierten Krankheiten. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen tritt die Mandelentzündung vermehrt auf, da deren Immunsystem in der Regel noch nicht ausreichend entwickelt ist. Aber auch in jedem anderen Alter kann die Krankheit auftreten.

Der Begriff „Mandelentzündung“ bezeichnet zumeist die Entzündung der Gaumenmandeln, die sich seitlich im hinteren Teil des Mundes befinden. Sie gehören neben den Zungenmandeln und den Rachenmandeln zum lymphatischen Rachenring, der eine Wächterfunktion ausübt: Der Rachenring wehrt Eindringlinge der Atemwege und des Verdauungstraktes ab.

Symptome der Mandelentzündung

Die Mandelentzündung wird per Tröpfcheninfektion übertragen:  durch Husten, Niesen oder auch einfaches Sprechen. Bei einem starken Immunsystem kann die Infektion natürlich abgewehrt werden. Die Symptome treten meist in geballter Form auf:

  • Halsschmerzen
  • Starke Schluckbeschwerden
  • Fieber
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Kopfschmerzen
  • Teilweise stechende Schmerzen bis in die Ohrregion
  • Mundgeruch
  • Müdigkeit
  • Allgemeines Unwohlsein

Unterschieden wird zwischen viraler und bakterieller Mandelentzündung.

Mandelentzündung Halsschmerzen

Bei einer Mandelentzündung sind die Gaumenmandeln oft stark gerötet. (c) iStock.com / PobladuraFCG

Virale Mandelentzündung

Die virale Mandelentzündung ist die harmlose Variante der Krankheit. Sie wird durch Viren ausgelöst und klingt nach einigen Tagen von selbst ab. Die oben genannten Symptome sind nur schwach ausgeprägt; oft beschränken sie sich auf weniger starke Halsschmerzen, leichtes Fieber und Kopfschmerzen, vergleichbar mit einer Erkältung. Meist reichen zur Behandlung Lutschpastillen oder Gurgellösungen, um den Schmerz im Rachen zu lindern, und fiebersenkende Mittel. Vorsicht: Wenn die virale Mandelentzündung fälschlicherweise als bakterielle diagnostiziert und mit Antibiotika behandelt wird, helfen diese nicht. Das kann zu Antibiotikaresistenz führen.

Bakterielle Mandelentzündung

Die durch Bakterien ausgelöste Mandelentzündung ist wesentlich unangenehmer und heilt in der Regel nach 14 Tagen vollständig ab. Die Symptome der Krankheit sind wesentlich ausgeprägter: stark gerötete Mandeln, schon äußerlich zu ertastende Schwellungen und die sogenannten Eiterstippchen (gelbliche, eitrige Ausscheidungen auf den Gaumenmandeln) prägen das Krankheitsbild. Bei akuter Mandelentzündung ist die Einnahme von Antibiotika unerlässlich. Wichtig: Auch wenn die Beschwerden abklingen, ist es notwendig, die Medikamente vollständig über zehn Tage einzunehmen, da sonst die Gefahr besteht, dass die Bakterien nicht vollständig abgetötet wurden.

Rezidivierende und chronische Mandelentzündung

Von rezidivierender (lat.: wiederkehrend) Mandelentzündung spricht man, wenn die Krankheit alle paar Monate wieder auftritt. Dann dürften die Bakterien z.B. wegen vorzeitigen Abbruchs der Antibiotika-Therapie nicht abgetötet worden sein. Eine solche verschleppte Mandelentzündung kann im schlimmsten Fall chronisch werden. Dabei sind die Beschwerden zwar nur noch schwach ausgeprägt, allerdings lauern hier versteckte Gefahren: Es kann zu schwerwiegenden Folgekrankheiten wie Gelenkrheumatismus, rheumatischem Fieber bis hin zu Herzentzündungen führen. Da bei der chronischen Mandelentzündung meist eine Antibiotikaresistenz erreicht ist, empfiehlt sich gegebenenfalls eine Mandelentfernung.

Wann macht eine Mandelentfernung Sinn?

Über eine Mandelentfernung sollte nachgedacht werden, wenn innerhalb eines Jahres häufiger eine Mandelentzündung auftritt oder wenn diese, wie oben beschrieben, inzwischen schon chronisch ist. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Entfernung auch in Erwägung zu ziehen, wenn die Mandeln vergrößert sind, so dass die Atmung beeinträchtigt wird.

Entgegen der Praxis früherer Jahrzehnte, in denen Mandelentfernungen an der Tagesordnung standen, ist die Medizin inzwischen restriktiver bei der Frage, ob die Mandeln „raus sollen“ oder nicht. Heutzutage werden die Mandeln ob ihrer Filterfunktion, die Viren und Bakterien abhält, in die Blutbahn einzudringen, höher geschätzt als in früheren Jahren, als die Mandeln eher als unnützer Störenfried galten.

Mandelentzündung und Halsschmerzen

Gerade bei Kindern können vergrößerte Mandeln auftreten. Dann kann eine Mandelentfernung sinnvoll sein. (c) iStock.com / vitapix

Die Mandelentfernung wird in Vollnarkose durchgeführt, der Eingriff selbst dauert keine halbe Stunde. Im Normalfall ist der Eingriff stationär, da es zu Nachblutungen kommen kann, was insbesondere bei Kindern zu Komplikationen führen kann. Bei Erwachsenen wird der Eingriff manchmal auch ambulant vorgenommen – das wird aber individuell je nach persönlicher Situation entschieden (beispielsweise, wenn der Wohnort des Patienten in der Nähe der Klinik liegt). In jedem Fall sollte man sich nach der Operation zwei Wochen schonen und insbesondere Druck auf den Kopf vermeiden.

Was hilft bei Mandelentzündung?

Bei leichten Beschwerden:

  • Rachen-Sprays
  • Leichte, fiebersenkende Schmerzmittel aus der Apotheke.
  • Viel (Salbei-Tee) trinken,
  • Kalte Speisen (Eis) essen,
  • Auf scharfe und saure Speisen verzichten, da sie die Mandeln zusätzlich angreifen
  • Bettruhe
  • Halswickel mit Eis, Quark, Zwiebeln oder Essig
  • Auf Rauchen verzichten

Bei starken Beschwerden ist der Gang zum Arzt, speziell zum HNO-Arzt unerlässlich.

Nach auskurierter Krankheit und generell zum Vorbeugen – natürlich auch gegen andere Krankheiten – sollte man Sport treiben sowie auf eine ausgewogene Ernährung achten, um das Immunsystem zu stärken.